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cmyktastic.ch

Ein Nachschlagewerk für Polygrafen – als Buch und Webseite

Cmyktastic ist während meiner Ausbildung zum Polygraf entstanden. Es ist ein Nachschlagewerk für Polygrafen und enthält die wichtigsten Informationen zur Druckproduktion sowie andere prüfungsrelevante Themen. Seit der Entstehung verzeichnet die Webseite ein solides Wachstum und sie ist mir ein Beispiel geworden, wie qualitativ hochwertige und nützliche Inhalte ganz von selbst im Ranking der Suchmaschinen steigen. Parallel zur Webseite besteht eine gedruckte Version der Inhalte zum «Werksatz». Eine Anleitung zur Buchproduktion die gleich selbst als Musterbeispiel dient. Das Buch wurde 2009 sogar mit dem Preis der Schule für Gestaltung für herausragende Projekte gekürt.

Kontext

Im dritten Lehrjahr wird von den angehenden Polygrafen (Mediengestaltern) der Schule für Gestaltung Bern und Biel verlangt, eigenständig ein Buch zum Thema «Buchproduktion» zu machen. Die Inhalte basieren auf dem im Unterricht vermittelten Stoff. Sie müssen jedoch aufgearbeitet und in Buchform gebracht werden. Gleichzeitig kümmern sich die Lernenden um die Gestaltung, den Druck und die Weiterverarbeitung. Der «Werksatz» entstand als Gruppenarbeit mit Tabea Iseli. Die positiven Erfahrungen mit dieser Arbeit führten uns dazu, ein grösseres Projekt anzupacken und im Verlaufe der letzten Monate unserer Ausbildung den kompletten Prüfungsstoff aufzuarbeiten und als Webseite zu publizieren.

Werksatz

Das Buch «Der Werksatz» (liebevoll auch das «Buch im Buch» genannt) beschreibt den traditionellen Aufbau eines Buches und die typografischen Regeln für den Buchsatz. Dabei dient der Werksatz selbst als mustergültiges Beispiel, das alle Konventionen sehr bewusst befolgt und damit den Gewohnheiten der Leser entgegenkommt.

Der Werksatz zu Einbänden und Verpackungen

Passend zur Thematik wurde eine zurückhaltende und eher klassische Gestaltung ausgearbeitet. Der Satzspiegel folgt der klassischen Konstruktion und mit Minion und Avenir wird der Inhalt in zwei seit langem weitherum geschätzten Schriftfamilien präsentiert.

Da wir sowohl die Inhalte als auch die Illustrationen selbst produzierten, konnten wir beides wo möglich der Logik der Gestaltung anpassen, so dass das Werk aus «einem Guss» erscheint. Für die Illustrationen wurde zum Beispiel Weinrot als Auszeichnungsfarbe gewählt, während der Rest des Buches Schwarzweiss gehalten ist. Das trägt zur unaufgeregten, klassischen Ausstrahlung des Werkes bei.

Der schönste Teil aber war ganz klar die Auswahl des Papiers. Heutzutage wird sehr häufig auf gestrichenes, hochweisses Papier gedruckt. Typischerweise ist aber Buchpapier leicht gelblich und ungestrichen. Ein Beispiel dafür sind die bekannten gelben Reclambücher. Für den Inhalt wurde darum ein Papier mit einem ähnlichen Aussehen und Griff gewählt. Das mit 90 g/m² etwas schwerere Papier für die Seiten gibt dem Endprodukt zusätzlich einen Touch von Hochwertigkeit.

cmyktastic.ch

Bei der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung gab es mehrere Ordner an Material aufzuarbeiten. Warum aber sollten wir aufwändige Zusammenfassungen erstellen und das Resultat am Ende für uns allein behalten? Die Idee für Cmyktastic war geboren.

Die Seite zum Thema «Trapping» auf cmyktastic

Die Gestaltung der Webseite und das Erstellen der Inhalte gingen auch hier Hand in Hand. Wenn immer ein neuer Typus von Inhalt wie zum Beispiel eine Serie von Bilder dazu kam, wurden die Regeln zur Darstellung direkt in CSS umgesetzt. Das war manchmal etwas chaotisch, erlaubte aber retrospektiv durch schnelle Iterationen ein ziemlich effizientes Vorankommen. Auch sparten wir uns somit unnötige Features und nice-to-haves.

Die Gestaltung basiert lose auf dem Buch zum Werksatz, wurde aber für die Anforderungen einer Webseite angepasst. Die grösste Änderung dabei war, dass vieles linearisiert werden musste. Weil man die Bildschirmgrösse der Besucher nicht kennt, verliert man bei der Gestaltung von Webseiten praktisch eine Dimension im Vergleich zu einem Buch. Die responsive Umsetzung kam zwar erst rund zwei Jahre später, bedeutete aber dank dieser «Linearisierung» der Inhalte nur einen sehr kleinen Aufwand.

Wir entschieden uns mit Radiant für ein CMS mit Markdown-Unterstützung. Markdown hat den Vorteil, dass es sehr angenehm zu schreiben ist, sobald man die simple Syntax erlernt hat. Es waren also keine speziellen Editoren aber auch kein mühsames editieren von HTML-Code nötig.

Innerhalb von rund drei Monaten entstanden so alle Inhalte und das nötige Drumherum und die Seite konnte online gehen.

Resultat

Neben der Bestnote wurde die gedruckte Version des Werksatzes 2009 auch mit dem Berufsschulpreis gekührt und ausgestellt. Die Publikation des Prüfungsstoffes auf einer Webseite war zwar eine wohl eine der aufwändigsten Arten sich auf die Prüfung vorzubereiten, führte aber dennoch zum Ziel.

Die grösste Freude aber ist es, dass cymktastic.ch bis heute für viele Leute aus der Druckbranche eine wertvolle Informationsquelle bleibt. Die Seite verzeichnet seit Beginn ein stetiges Wachstum und wird heute jeden Monat von gut 1200 Besuchern konsultiert.