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Business2School

Eine neue Herangehensweise zur Vermittlung von Projekten aus Unternehmen an Studierende

Business2School (B2S) ist ein Projekt der Fachhochschule Westschweiz (HES-SO) sowie verschiedener Westschweizer Unternehmen und Handelskammern. Rechtlich als Verein organisiert, ist der Zweck von B2S die Zusammenarbeit zwischen Studierende und Unternehmen zu fördern und den Berufseinstieg zu vereinfachen. Als Generalsekretär bin ich für die Betreuung der Plattform b2s.ch, die Führung des Vereins, den Kontakt mit Unternehmen, Hochschulen und Studierenden sowie für die Kommunikation und Weiterentwicklung zuständig. In dieser Position konnte ich in den letzten zwei Jahren einige Grundannahmen in Frage stellen und zusammen mit dem Vorstand die Zukunft des Projektes skizzieren und umsetzen.

Kontext

B2S entstand aus dem Bedarf nach einer Plattform für Studentenprojekte wie Bachelor- oder Semesterarbeiten und Stellenangeboten für Fachhochschulstudierenden. Im Jahr 2002, als der Verein gegründet und die erste Version von b2s.ch entwickelt wurde, lag der Fokus klar auf der technischen Lösung des Problems. Das Bedürfnis war erkannt und es gab noch keine solche Plattform.

Fast fünfzehn Jahre später, stellt sich dem Verein eher die Frage, welche Kanäle aus dem Überangebot an Kommunikationsmöglichkeiten er nutzen sollte, um sein Zielpublikum zu erreichen. Eine zweite Frage ist, in welchen Bereichen noch Bedarf nach seinen Angeboten besteht und wo mittlerweile kommerzielle Anbieter bessere Lösungen anbieten.

Diese Entwicklung hat sich auch an den Besucherzahlen der Plattform gezeigt. Sie sind in den letzten Jahren trotz der zunehmenden Nutzung digitaler Medien stagniert. Auch wurde offensichtlich, dass das Kerngeschäft des Vereins, die Vermittlung von Studentenprojekte, nie zum Selbstläufer wurde.

Analyse

Als Organisation die sich primär über öffentliche Gelder finanziert, sollte B2S nicht mit privaten Anbietern in Konkurrenz treten. Das stellt zum Beispiel das Anbieten von Stelleninseraten in Frage. Da diese stetig besser funktioniert hatten, als die anderen Angebote, verwandelte sich b2s.ch immer mehr in eine Job-Plattform. Es bestand klar das Risiko, dass aus opportunistischen Gründen der Zweck immer mehr verwässert wird.

Dieser Umstand erschwerte auch die Kommunikation rund um die Studentenprojekte. Wenn B2S von den Unternehmen direkt in der Schublade «Job-Plattform» abgelegt wird, werden die anderen Aspekte der Plattform leicht übersehen. Der Austausch mit den Unternehmen bestätigte diesen Eindruck, zeigt aber auch, dass durchaus Interesse an den Studentenprojekten vorhanden ist. Es mussten in diesem Bereich also primär bessere Möglichkeiten gefunden werden, die Studentenprojekte zu kommunizieren.

In den Hochschulen wurde das Angebot von B2S vielfach skeptisch gesehen. Viele Studiengänge haben eigene Abläufe und Kontakte für Studentenprojekte und möchten diese verständlicherweise nicht aus der Hand geben. Als erschwerender Faktor kommt hinzu, dass sich die Abläufe und Verantwortlichkeiten zwischen Hochschulen und Studiengängen massiv unterscheiden. Auf Seite der Hochschulen braucht es also ein gewisses Lobbying für das Projekt B2S und eine engere Zusammenarbeit mit den Studiengängen.

Integration mit anderen Stellenplattformen

Der Vorstand entschied, die Stellenplattform nicht komplett aufzugeben, da sie eine der grössten value propositions von B2S darstellte. Stattdessen sollten Konkurrenten zu Partnern gemacht werden.

Zusammenarbeit mit Stellenplattformen und Career Centers

Auf Seite der Hochschulen wurde ein automatischer Austausch von Stelleninseraten mit den parallel bestehenden Career Centern und internen Stellenplattformen entwickelt. Diese erhalten somit Zugang zu mehr Inseraten und B2S profitiert von einer höheren Sichtbarkeit bei den Studierenden.

Auf Seite der Unternehmen ist B2S verschiedenen Partnerschaften mit konkurrierenden Stellenplattformen eingegangen. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, ihre Inserate für Studierende automatisch auf B2S zu publizieren. Sie haben damit eine höhere Sichtbarkeit an den Hochschulen.

B2S wird somit zu einer zentralen Anlaufstelle für beide Seiten, erhöht seine Sichtbarkeit und verbessert sein Angebot mit geringem Investitionsaufwand.

Neues Kommunikationskonzept

B2S bediente in seiner Kommunikation verschiedene Kanäle und kommunizierte mit Plakaten, Flyern und Events auch aktiv an den Hochschulen. Die Abläufe und Stichdaten wurden jedoch nie formalisiert. Eine wichtige Basis zur Formulierung des neuen Konzeptes. Dieser Überblick erlaubte es nun die genutzten Kanäle zu hinterfragen und führte schliesslich zur Entscheidung, sich in der Kommunikation auf drei Säulen zu konzentrieren.

Prozess zur Kommunikation und Vermittlung von Studentenprojekten

Die erste Säule der Kommunikation ist eine aktive Akquise der Unternehmen. Statt der passiven Information auf der Plattform werden Unternehmen auf Messen, Events und via Telefon direkt informiert. Im ersten Zyklus zeigte sich bereits das gut die Hälfte der Unternehmen auf der Plattform Interesse daran haben, Studentenprojekte anzubieten. Sie hatten diese Möglichkeit bisher einfach nicht gekannt oder vergessen zur richtigen Zeit ein Angebot zu publizieren.
Parallel wurden die Informationen auf der Plattform überarbeitet und aufgrund der gewonnen Rückmeldungen stärker an den typischen Fragen der Unternehmen angepasst.

Werbeplakat an den Hochschulen

Als zweite Säule, wird eine stärkere Zusammenarbeit mit den Studiengängen angestrebt. Der Verein hat schlicht nicht die Ressourcen in allen Hochschulen präsent zu sein, ohne dass er von diesen selbst mitgetragen und kommuniziert wird. Solche Partnerschaften zu etablieren, stellte sich in einem ersten Zyklus als relativ schwierig heraus. Das legt den Schluss nahe, dass die Zukunft des Projektes vermutlich sehr stark von der Akzeptanz in den Hochschulen abhängen wird. Trotz der Schwierigkeiten, erklärten sich im ersten Zyklus sechs Studiengänge zu einer Zusammenarbeit bereit. Einer davon nutzte B2S sogar exklusiv für die Vermittlung seiner Bachelorarbeiten.

Schliesslich wird ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess eingeführt. Da die Studiengänge auf einem Jahresrhythmus basieren, wird auch der Prozess jedes Jahr erneut evaluiert. Der Prozess wird entsprechend den Erfahrungen im vorherigen Durchlauf angepasst. Auch das Feedback aus den erfolgreich vermittelten Studentenprojekten fliesst hier in Form von Erfahrungsberichten und Testimonials in die Kommunikation ein.

Resultat

Der erste Durchlauf stimmt den Verein vorsichtig optimistisch. Trotz der Schwierigkeiten, die Hochschulen für die Sache zu gewinnen, war das Feedback grundsätzlich positiv. Zudem ist zu hoffen, dass der kontinuierliche Verbesserungsprozess seine Magie wirkt und die ersten positiven Erfahrungen dazu führen, dass die Akzeptanz in Zukunft steigen wird.