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AXEL XML-Editor

Die Quadratur des Kreises – ein nutzer- und entwicklerfreundlicher Webeditor für semistrukturierte Dokumente

AXEL ist ein Gemeinschaftsprojekt der ETH Lausanne und des Forschungsinstitutes INRIA in Grenoble. Es zielt darauf ab, semistrukturierte Dokumente wie wissenschaftliche Publikationen oder Bedienungsanleitungen auf dem Web angenehm editierbar zu machen und gleichzeitig die darunterliegende, vom Publikationssystem benötigte Struktur zu garantieren. AXEL transformiert dazu ein Template aus HTML und XTiger in einen webbasierten Dokument-Editor der sich im Design mit CSS relativ frei anpassen lässt, es aber es dem Benutzer unmöglich macht die vorher in XTiger definierten Strukturregeln zu verletzen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Media Engineering Institute zum Thema «semantic document editing» entwickelte ich mit AXEL ein Interface zum Erfassen und Editieren von Kursbeschreibungen für die Hochschule für Wirtschaft und Technik des Kantons Waadt (HEIG-VD). Möglichkeiten und Grenzen von AXEL und anderen Webeditoren zeigte ich 2015 in einer Präsentation an der IC-Konferenz an der California Polytechnic State University auf.

Kontext

Sowohl während meiner Tätigkeit beim Stämpfli Verlag als auch in meiner Bachelorarbeit bei der Gasser Media AG stiess ich immer wieder auf das selbe Problem: Wie bringt der Herausgeber einer Publikation die Verfasser dazu, ihre Texte so zu erstellen, dass das Publikationssystem sie korrekt verarbeiten kann. Zum Beispiel: Wie lässt sich vermeiden, dass Titel durch die Definition «Fett» und «Gross» erzeugt werden statt durch das korrekte Absatzformat.

Die aktuell am häufigsten anzutreffenden Lösungen sind:

  1. Die Autoren gewinnen: Man lässt die Autoren ihre Texte in Word schreiben und bereitet sie hinterher von Hand auf. Das ist für sie angenehm aber teuer für den Herausgeber.

  2. Der Herausgeber gewinnt: Man zwingt die Autoren eine Auszeichungssprache wie HTML oder LaTex zu nutzen oder man stellt ihnen ein Formular zur Verfügung. Für Autoren die sich das WYSIWYG-Paradigma gewohnt sind, bedeutet das oftmals eine Überforderung.

Offensichtlich stellt sich die Frage ob es nicht möglich ist, eine Win-Win-Situation herzustellen. Dieser bin ich im Rahmen des Forschungsprojektes nachgegangen.

Analyse

Ein Review der bestehenden Lösungen machte klar, dass es deutliche Verbesserungsmöglichkeiten gegenüber dem Status quo gibt. Lösungen wie FontoXML oder Habitat von Inkling zeigen eindrücklich, dass die Interessen beider Parteien vereinbar sind. Es ging nun darum etwas ähnliches auf der Basis eines Opensource-Projektes umzusetzen.

Doctored

Verschieben und Löschen im Doctored-Editor
Verschieben und Löschen von Elementen in Doctored

Ein erster Lösungsversuch baute auf dem Doctored-Editor von Matthew Holloway auf. Dieser wurde mit verschiedenen Funktionen wie einem Löschen-Button oder Drag-and-drop erweitert, um die Nutzung zu vereinfachen. Doctored ist jedoch zu sehr dadurch limitiert, dass es auf der von Browsern zur Verfügung gestellten contenteditable-Funktion aufbaut. Diese ist schwer zu kontrollieren und führte in Tests oft dazu, dass bestehende Inhalte aus Versehen gelöscht oder verschachtelt wurden. Der Super-GAU wenn man versucht damit ein langes Dokument zu bearbeiten.

AXEL

Auf der Suche einer Alternative stiessen wir auf AXEL, ein Gemeinschaftsprojekt der ETH Lausanne und des Forschungsinstitutes INRIA in Grenoble. Es beinhaltete einige sehr gute Ideen wie die XTiger-Sprache, die definiert welche Bearbeitungsmöglichkeiten die Nutzer im Editor haben (Whitelisting). Zudem basiert der Editor auf Formularen, diese sind viel einfacher zu kontrollieren als contenteditable. AXEL versteckt diese aber geschickt, um beim Nutzer den Eindruck eines Dokumentes zu erwecken.

Resultat

Die Umsetzung mit AXEL verlangte die Entwicklung einer Erweiterung für select-Listen damit alle Bearbeitungsoptionen abgedeckt werden konnten. Zudem wurde das Interface in HTML und CSS so gestaltet, dass es den Autoren ein «Gefühl» für das Dokument gibt, genau wie ein WYSIWYG-Editor à la Word.

Bearbeitung einer Kursbeschreibung in AXEL
Bearbeitung einer Kursbeschreibung in AXEL

Diese erste Umsetzung ist sehr vielversprechend, zeigt aber auch einige Probleme auf. Zum Beispiel gibt es keine Möglichkeit mit Mixed Content umzugehen.

Die gewonnen Erkenntnisse flossen als Lektion in den Kurs «Conception, gestion, diffusion de documents structurés» an der HEIG-VD ein. Sie wurden zudem an der IC-Konferenz an der California Polytechnic State University präsentiert.

In einem nächsten Schritt sollen Unternehmen gesucht werden, die einen Bedarf für eine solche Lösung haben. Einerseits wird damit die Finanzierung des Projektes gesichert, viel wichtiger aber ist, dass die weitere Entwicklung sich so an den realen Bedürfnissen der Unternehmen orientiert.